Texte und Worte sind nicht alles im Gottesdienst. Ähnlich wie beim Essen ist auch beim Hören das Auge nicht unbeteiligt. Deshalb gibt es in Kirchen Textilien, vor allem die Stoff-Vorhänge an Altar, Kanzel und Lesepult. Sie werden  Paramente (vom Lateinischen 'parare mensa' den Tisch bereiten) oder auch Antependien (vom Lateinischen 'ante' vor, 'pendere' hängen), genannt. Sie haben wechselnde Farben, deren Farbzuordnung zu den verschiedenen Zeiten im Kirchenjahr von Papst Innozenz III.  (1198-1216) festgelegt worden ist.

Weiß ist die Farbe der Reinheit, des Lichtes und des Glaubens. Weiße Paramente werden aufgehängt zu den Christusfesten, vor allem zu Weihnachten und Ostern.

Rot ist die Farbe des Blutes, der Liebe und der Treue. Ursprünglich wurden rote Paramente zu Märtyrerfesten verwendet, die an Menschen erinnern, die ihr Blut und Leben in Liebe zu Gott gegeben haben. Um Liebe und Treue zu Jesus geht es auch bei den Festen der Kirche (Pfingsten, Konfirmation, Reformationstag). 

Grün ist die Farbe des Wachsens und der Hoffnung. Alle, die das Wachsen in der Natur wahrnehmen, verstehen das auf Anhieb. Die grünen Antependien werden in den Zeiten nach Weihnachten/Epiphanias und nach Pfingsten/Trinitatis verwendet, wenn die Hoffnung still und beharrlich weiter wächst. 

Violett ist eine Mischfarbe, die Farbe des Übergangs. Feministinnen, die die Geschlechterrollen für Frauen und Männer neu überdenken möchten, haben die Farbe Lila als ihre Farbe gewählt. Auf dem Kirchentag 1983 in Hannover brachten lila Tücher mit dem Slogan "Frieden schaffen ohne Waffen" eine bundesweite Diskussion über die Rüstungspolitik in Gang. Zeiten des Umdenkens und der Neuorientierung - früher nannte man das "Buße" - sind die Advents- und die Passionszeit, in denen die violetten Antependien verwendet werden.

Im  19. Jahrhundert wurden Paramente in den traditionellen Farben wieder populär. In Diakonissenhäusern wurden Paramenten-Werkstätten gegründet, die bis heute in Zusammenarbeit mit Künstlern individuell auf den Kirchenraum abgestimmte Paramente schaffen. In dieser Tradition stehen auch die Paramente der St. Michaeliskirche. Sie sind zusammen mit Altar, Kreuz, Abendmahlsgeräten und Leuchtern Teil des Gesamtkunstwerks "Altarraum St. Michaelis" von  Prof. Hermann Jünger. Die Tuschezeichnungen Hermann Jüngers wurden in der Weberei im "Haus im Schluh" in Worpswede umgesetzt. Sie wurde 1920 von  Martha Vogeler (Frau des Malers Heinrich Vogeler) gegründet. Ihre Tochter Bettina Müller-Vogeler und ihre Enkeltochter Bettina Müller bauten die Werkstatt aus. Die Urenkelin  Berit Müller erkannte das mitgebrachte Michaelis-Antependium eindeutig als eine Arbeit aus der Worpsweder Werkstatt. Allerdings konnte sie nicht eindeutig feststellen, ob es von ihrer Großmutter Bettina Müller-Vogeler oder deren Tochter Bettina Müller gewebt wurde. Beide beherrschten die Gobelinweberei exzellent. Die Farbnuancen der Wasserfarben-Entwürfe Jüngers wurden im textilen Material meisterhaft nachempfunden.

Die schlichten Symbole auf den Michaelisparamenten entsprechen der Formensprache der Nachkriegszeit, die bewusst auf uralte Vorbilder zurückgriff.