Der Namenspatron unserer St. Michaeliskirche ist der Erzengel Michael, der „Fürst der Engel“, der der Legende nach bereits vor Beginn der Schöpfung Luzifer, die Verkörperung des Bösen und der anmaßenden Auflehnung gegen Gott, gestürzt und besiegt hat.

Das „Engelpatrozinium“ unserer Kirche wurde mit einer Reliefdarstellung Michaels bei der Gestaltung der Glocken aufgegriffen, im Kirchenraum selbst jedoch fand es zunächst keinen bildlichen Ausdruck. Dies änderte sich erst 2005. In diesem Jahr wurde im Altarbereich die hoch aufragende hölzerne Engelfigur aufgestellt, die seither das innere Erscheinungsbild der Michaeliskirche wesentlich mitbestimmt und für viele zu einer Art „Wahrzeichen“ unserer Kirche geworden ist.

Geschaffen hat sie der aus Lüneburg stammende und in Venne bei Osnabrück lebende Künstler Dieter Schroeder (geb. 1950). Die Idee, eine Skulptur für die Michaeliskirche bei diesem Bildhauer in Auftrag zu geben, war 2001 entstanden, nachdem zahlreiche Arbeiten des Künstlers in einer Ausstellung im Rahmen der „Diepholzer Engeltage“ in der Kirche zu sehen gewesen waren. Diese Ausstellung war auf großes Interesse gestoßen und hatte ein positives, ja z.T. geradezu begeistertes Echo in der Gemeinde gefunden. Pastor Harald Storz konnte den Kirchenvorstand überzeugen, sich auf das ungewöhnliche und (auch finanziell) anspruchsvolle Projekt einzulassen, einen Engel eigens für unsere Kirche gestalten zu lassen. Die nicht immer einfache Realisierung des Kunstwerks zog sich dann bis zum September 2005 hin.

Der Engel der Michaeliskirche ist aus einem mächtigen Weidenstamm gearbeitet. Form und Struktur des Baumstamms sind in der halbrund nach vorn sich öffnenden Skulptur noch deutlich ablesbar. Diese wird durch wenige, sehr vereinfacht wiedergegebene Elemente als figürliche Darstellung erkennbar. Wichtigster Bezugspunkt ist dabei die vollplastisch herausgearbeitete, leicht geneigte Kopfform im Zentrum, die sich über der Andeutung eines elegant geschwungenen Körpers erhebt. Die teilweise durchbrochenen oberen Teile der Skulptur wirken in diesem Kontext wie aufragende Flügel, die den Blick nach oben, himmelwärts, lenken und die Figur überhaupt erst zum Bild eines Engels werden lassen.

Aufgrund ihrer Größe, der aufstrebenden Form mit bewegter Konturlinie und der – mit Ausnahme des Kopfes - ungeglätteten Oberfläche, die deutliche Bearbeitungsspuren aufweist, wirkt die Engelsfigur auf den ersten Blick majestätisch, kraftvoll, fast ein wenig unnahbar. Auf diese Weise erinnert sie entfernt an traditionelle Darstellungen des Erzengels Michael. Doch es fehlen hier alle kriegerischen Attribute, wie Lanze oder Schwert, mit denen in der Kunstgeschichte der „Gotteskämpfer“ Michael üblicherweise ausgestattet wurde. Der Diepholzer Michael ist ein friedlicher Engel, dessen Kopfhaltung und Körperform nicht Kampfbereitschaft, sondern eher Nachdenklichkeit signalisieren, der sich den Betrachtern zuzuwenden und sie einzuladen scheint, sich ihm anzuvertrauen, in die konkav gewölbte Form einzutreten wie in einen bergenden Mantel. Das Himmelwärts-Strebende, Fremde, ist in dieser Figur verbunden mit Geborgenheit verheißender Zuwendung und Nähe. Diese ganz besondere Nähe zu den Menschen in St. Michaelis vermittelt sich zusätzlich noch auf ganz anderer Ebene: Der Engel in unserer Kirche ist „gebürtiger Diepholzer“; die Weide, aus deren Stamm er geschnitzt wurde, stand im Müntepark.